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500 Geflüchtete - wirklich zu viele für Poppenbüttel?

Diskussion in der Pausenhalle

Die Pausenhalle war gefüllt, als diese Frage vom Finanzsenator Dr. Andreas Dressel, dem Migrationsforscher Dr. Niklas Harder und Thomas  Littmann, dem Vorsitzenden des Vereins „Poppenbüttel hilft“ am Mittwoch, dem 10.4., hier diskutiert wurde. <br />

Anlass der Diskussion war die bevorstehende Umsetzung eines Vertrags von 2016, der als Kompromisslösung eines Volksentscheidungsverfahrens gegen die Unterbringung von Flüchtlingen an der Ohlendiekshöhe  zwischen der Stadt Hamburg und den Initiatoren des Begehrens geschlossen wurde: Darin wurde festgelegt, dass bis zum 1.1.2020 die Zahl der Bewohner auf 300 reduziert würde. Damals waren die Bedenken gegen die Flüchtlingsunterkunft groß: Von 1200 Flüchtlingen, die an der Ohlendiekshöhe leben sollten, war die Rede. Tatsächlich leben auf der Ohlendiekshöhe zur Zeit knapp 500 Geflüchtete, nun soll die zweite Reihe des Wohngebiets in Sozialwohnungen umgewidmet werden. Für 168 Personen (40% davon Kinder), zusammengesetzt aus 26 Familien, acht WGs und sieben Bewohnern von Einzelwohnungen, könnte dies bedeuten, dass sie bis spätestens zum Ende des Jahres umziehen müssen. 

Zur Veranstaltung eingeladen hatte der Verein „Poppenbüttel hilft“, dessen  Mitglieder vom Finanzsenator wissen wollten, was mit den Flüchtlingen in der Unterkunft Ohlendiekshöhe geschehen soll, wenn der Vertrag umgesetzt wird. Er wies darauf hin, wie gut die Integration der Geflüchteten gerade in Poppenbüttel gelang. Besonders für Familien mit Kindern sei ein Umzug in vielen Fällen unzumutbar, nachdem sich die Kinder gerade in ihre neue soziale und schulische Umgebung eingelebt hatten. Es ginge hier nicht um Statistiken und Zahlen, sondern um das Schicksal konkreter Menschen, betonte Thomas Littmann und erntete dafür viel Beifall aus dem Publikum, in dem sich auch einige Bewohner der Ohlendiekshöhe befanden. 

Unterstützt wurde Thomas Littmann von dem Migrationsforscher Niklas Harder, der zunächst erklärte, wie das Thema „Integration“ von der empirische Sozialforschung erfasst wird und welche Bedingungen der Integration von Geflüchteten förderlich sind. 

Der Finanzsenator betonte, wie wichtig der Kompromiss aus 2016 gewesen sei und dass sich „Fördern und Wohnen“, die das Quartier betreibt, selbstverständlich an den ausgehandelten Vertrag halten würde. Auf der anderen Seite gab Andreas Dressel sein Wort, dass kein Geflüchteter befürchten müsse, am 31.12. mit einem Koffer vor die Tür gesetzt zu werden. Es werde nach individuell zumutbaren Lösungen gesucht werden. So seien die Vermietungen der Wohnungen auf der Ohlendiekshöhe an bestimmte Bedingungen, wie zum Beispiel dem Nachweis eines festen Arbeitsplatzes, gebunden, die auch Geflüchtete inzwischen erfüllten. Zudem sehe der Vertrag auch vor, dass Wohnungen an Geflüchtete vergeben werden könnten, bei denen ein „besonderes Zugangshindernis zum allgemeinen Wohnungsmarkt“ gegeben sei. Nicht zuletzt würden auch über eine ganz normale Fluktuation schon jetzt Wohnungen frei.

Im Publikum saßen auch viele Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen, die nach der Veranstaltung noch Gelegenheit hatten, Fragen an die Diskutierenden zu stellen. Mia, Lotte, Nelia und Lecilia interessierte vor allem, nach welchen Kriterien die Flüchtlinge ausgewählt würden, die aus der Unterkunft wegziehen müssten und wie die Flüchtlinge dann weiter unterstützt werden können. Nach einem Gespräch mit Thomas Littmann haben sie beschlossen, sich jetzt schon zu engagieren und mitzuhelfen, Flüchtlingen das Fahrradfahren beizubringen.

Ziel aller an der Diskussion Beteiligten war eine zukünftige Durchmischung des Wohnraums auf der Ohlendiekshöhe von Geflüchteten und anderen Mietern. Ein Begegnungshaus für alle ist bereits im Bau auf dem Gelände. Herzliche eingeladen sind alle Interessierten zum Richtfest am 24. Mai. 

 
 

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