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Klimaforscher Professor Mojib Latif am Heinrich-Heine-Gymnasium

Die Verantwortung des Wissenschaftlers in einer „postfaktischen Zeit“

Als Klimaschule und Umweltschule in Europa hat sich das Heinrich-Heine-Gymnasium zur Aufgabe gemacht, über vielfältige Angebote den Schülerinnen und Schülern Handlungskompetenzen auch im Sinne der Nachhaltigkeit zu vermitteln.

Zu diesem Programm gehörte der Vortrag von Professor Mojib Latif „Zur Rolle der Ozeane im anthropogenen Klimawandel“ in der prall gefüllten Pausenhalle am 8. Februar. Die Veranstaltung richtete sich an Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 bis 12, aber auch mehrere interessierte Bürger folgten der öffentlichen Einladung ins HEINE.

Denn es ist schon eine außergewöhnliche Gelegenheit, den viel gefragten Forscher für Ozeanographie am GEOMAR Helmholz-Zentrum in Kiel live erleben zu können. Sein Terminkalender ist voll; der Besuch am HEINE hatte einen Vorlauf von sechs Monaten. Seine Intention, nicht nur im Radio und TV, sondern auch mit Schülern und Bürgern zu sprechen, machte er mehr als einmal deutlich: Er halte diese Zeit für gefährlich, in denen sich die Menschen auch über soziale Netzwerke wie facebook oder Twitter informierten und es zunehmend schwer falle, Fakten von „fake news“ zu unterscheiden. Vor allem, wenn sich einflussreiche Persönlichkeiten, die enorme Reichweiten haben und großes Vertrauen in der Bevölkerung genießen, solcher Kanäle zur Meinungsmache bedienten. Wenig überraschend fiel das Beispiel des amerikanischen Präsidenten gleich mehrfach.

Professor Latif appellierte eindringlich, sich an die Forschungsergebnisse der Wissenschaften zu halten. Und die Klimaforschung sei alles andere als neu. Erste Ergebnisse über den Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Bodentemperaturen und des atmosphärischen Kohlensäuregehaltes, wie man damals CO2 noch nannte, seien bereits dem Schweden Svante Arrhenius vor über 100 Jahren gelungen. Nicht nur seine Prognosen, sondern auch die der wissenschaftlichen Computersimulationen in den letzten 40 Jahren ließen sich heute mit einer erstaunlichen Treffsicherheit bestätigen. Dass der Mensch das Klima v.a. durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe beeinflusst, sei heute nicht mehr ernsthaft bestreitbar. Zwar sei es richtig, dass es schon immer globale Temperaturschwankungen gegeben hat, aber nie zuvor in einer derartigen Geschwindigkeit. Der Anpassungsdruck, dem die Natur ausgesetzt ist, sei enorm.

Die Folgen dieses Einflusses auf die Ozeane stellte Professor Latif unter drei einprägsamen Schlagwörtern dar: zu warm, zu hoch, zu sauer.

Durch wärmer werdende Wassertemperaturen sterben Korallenriffe und damit der Lebensraum zahlreicher Pflanzen und Tiere. Das rasante Schmelzen des Gletschereises in Grönland und der Antarktis lässt den Meeresspiegel steigen und stellt eine Gefahr für die Küstenregionen dar; auch für die deutschen. Die Versauerung der Meere greift z.B. die Kalkalgen an – ein deutliches Indiz für die Zerstörung maritimer Ökosysteme.

In der anschließenden Gesprächsrunde, die von Lina v. Dobschütz, Fabian Kreidelmeyer und Vincent Nelles aus dem 4. Semester der Oberstufe mit großer Souveränität moderiert wurde, ließ Mojib Latif aber auch Hoffnung aufkommen. Der jüngst vereinbarte Kohleausstieg sei endlich ein Weg in die richtige Richtung. Auch wenn eine solche Transformation Arbeitsplätze in der Branche koste, entstünden im Bereich der regenerativen Energien deutlich mehr. Und der wachsende Energiebedarf sei auch weltweit durch die unendlichen Ressourcen wie Wasser, Wind oder Solarenergie zu decken. Deutschland habe noch die Gelegenheit, wieder Vorreiter im internationalen Klimaschutz zu werden, auch wenn wir derzeit höchstens im Mittelfeld lägen. Latif warnte davor, dass Deutschland die technologischen Innovationen verschlafe und abgehängt „das Nokia der Welt“ werde. Mit Blick auf die Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen, unterstützte Latif auch die fridays for future-Kampagne. Er finde es gut, wenn Schüler für eine Sache einstehen und dafür auch mal unbequem sind; so wie er in seiner Jugend gegen die Atomkraft demonstrierte. Die finale Botschaft lautete: Es ist noch nicht zu spät! Und: Geht nicht, gibt’s nicht!

Prof. Latif gelang es schnell, dass Publikum in seinen Bann zu ziehen. Aufmerksam verfolgten die ca. 300 Zuschauer seinen Vortrag. Mitunter lösten seine Kommentare und Antworten begeisterte Zwischenrufe und Applaus aus. Unter tosendem Schlussapplaus wurde er verabschiedet. Sichtlich beeindruckt bedankten sich auch die Schülerinnen und Schüler der Moderationsrunde für diesen aufrüttelnden Vormittag, der bei vielen sicher nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

Kristin Schilling

Klimaschule / Umweltschule in Europa

 
 

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